Wieder selbstständig im Alltag

Hier möchten wir Ihnen zeigen, wie Menschen mit Sehverlust alltägliche Handgriffe weiterhin selbst durchführen können und wie sie mobil und aktiv bleiben.

Sehhilfen/Low Vision

Der Begriff „Low Vision“ bedeutet wörtlich übersetzt „geringeres Sehen". Dahinter verbergen sich ganz unterschiedliche Sehbeeinträchtigungen, die Menschen jeden Alters betreffen können.

Mit „Low Vision“ wird ebenfalls der Arbeitsbereich bezeichnet, der sich mit den Sehproblemen des Einzelnen befasst. Hier wird gemeinsam mit den Betroffenen nach Hilfen und Lösungen sucht, damit sie ihr individuelles Sehvermögen optimal nutzen können. Deshalb spricht man auch von einer Low-Vision-Beratung oder einem Low-Vision-Training. In der Regel arbeiten dabei Fachleute verschiedener Disziplinen zusammen.

Ein Mann nutzt eine Lupe um seine Schraubarbeiten an einem Gerät durchzuführen.
Mit dem richtigen Hilfsmittel ist vieles möglich. (Bild: DBSV/Friese)

Der erste Schritt ist meist die Anpassung vergrößernder Sehhilfen. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von weiteren Hilfsmitteln und Alltagshilfen, die, richtig ausgewählt und eingesetzt, das Leben erleichtern. Oft ist eine Einweisung oder ein spezielles Hilfsmitteltraining unerlässlich.

Diese Sehhilfen können sein:

  • Lupen
  • Lupenbrillen
  • Fernrohrbrillen und Fernrohrlupenbrillen
  • Bildschirmlesegeräte und Elektronische Lupen
  • Sehhilfen für den Computer
  • Monokulare
  • Blendschutz und Filtergläser
  • Leuchten und Lesepulte

Die Broschüre „Hilfsmittel und Alltagshilfen für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen“ gibt einen ausführlichen Überblick über mögliche Hilfsmittel auch für Menschen, die mit Low Vision Hilfsmitteln nicht mehr zurecht kommen.

Es gibt aber auch viele praktische Helfer für den Alltag. Die Palette reicht von Markierungspunkten und -streifen, über Telefone mit großen Tasten, einfacher Bedienung und Sprachausgabe, bis hin zu Hilfsmitteln für Haushalt, Freizeit, Handwerk oder für den Medizin-und Gesundheitsbereich.
Viele wichtige Alltagstipps finden Sie in der Broschüre: „Wenn die Augen schwächer werden“ des Beratungsangebots Blickpunkt Auge.

Tastbare Markierungen am Drehschalter eines Herdes
Schon einfache Kniffe können im Alltag helfen. (Bild: DBSV/Stephan)

Schulungen

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Erlernen neuer Techniken, Vorgehensweisen oder Strategien. Hier helfen Schulungen in Orientierung und Mobilität (O&M) oder in lebenspraktischen Fähigkeiten (LPF).

Orientierung und Mobilität (O&M)

Eine Schulung in Orientierung und Mobilität (O&M) ermöglicht blinden und sehbehinderten Menschen die Rückkehr zur Selbständigkeit im häuslichen Bereich und im Straßenverkehr. Die Schulung findet am jeweiligen Wohnort und dort statt, wo der Teilnehmer sich alltäglich aufhält. Sie wird durch qualifizierte und anerkannte Rehabilitationslehrer/-innen durchgeführt.

Eine Frau betrachtet mit einer handlichen Sehhilfe ein Straßenschild.
Beim Training für Orientierung und Mobilität wird unter anderem die Nutzung eines Monokulars eingeübt. (Bild: DBSV/Friese)

Ein Training in Orientierung und Mobilität (O&M) kann folgendes umfassen:

  • Techniken zum Gehen mit einer Begleitperson
  • Langstocktraining
  • Umgang mit Sehhilfen wie etwa Lupen und Brillen bei einem vorhandenen Sehrest
  • Orientierungs- und Mobilitätsschulungen in verschiedenen Umweltsituationen
  • Verwerten von tastbaren Plänen und Karten
  • Nutzung von Plänen und Karten mit Sehrest
  • einsatz elektronischer Orientierungshilfen bei Bedarf
  • Umgang mit einem Blindenführhund bei Bedarf

Eine solche Schulung kann eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherungen sein. Kontakt zu Rehabiliationslehrern/-lehrerinnen in Ihrer Nähe bekommen Sie über den Bundesverband der Reha-Lehrerinnen und -Lehrer oder die DBSV-Landesvereine.

Lebenspraktische Fähigkeiten (LPF)

Im LPF-Unterricht lernen blinde und sehbehinderte Menschen spezielle Techniken, Methoden und Strategien, um ihren Alltag insbesondere im häuslichen Bereich eigenständig zu bewältigen und ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten. Die Inhalte einer Schulung variieren von Person zu Person.

Je nach individuellen Bedürfnissen und Wünschen können Themen aus den Bereichen Ernährung, Essenstechniken, Körperpflege, Gesundheit, Kleiderpflege, Ordnungssysteme, Haushaltsführung, handwerkliche Tätigkeiten, Kommunikation und Umgang mit Hilfsmitteln dazugehören. Das Training erfolgt üblicherweise im Einzelunterricht und wird von qualifizierten Rehabilitationslehrern durchgeführt. Die in einer LPF-Schulung gewonnene Selbstständigkeit unterstützt das Selbstbewusstsein des Teilnehmers, verschafft Anerkennung in Familie, Beruf und Gesellschaft und führt so zu einem Mehr an Lebensqualität.

Auch für ein Training in LPF gibt es Möglichkeiten zur Finanzierung durch einen Sozialträger. Kontakt zu Rehabiliationslehrern/-lehrerinnen in Ihrer Nähe bekommen Sie über den Bundesverband der Reha-Lehrerinnen und -Lehrer oder die DBSV-Landesvereine.