Berufstätig sein

Ein Mann liest den stark vergrößerten Programmcode auf einem Monitor.
Mit spezieller Soft- und Hardware können blinde und sehbehinderte Menschen effektiv am Computer arbeiten. (Bild: DBSV/Friese)

Arbeit und Beruf

Sie stehen mitten im Berufsleben und machen sich Gedanken, wie es nun weitergehen soll? Verlieren Sie nicht den Mut, denn es gibt heute eine Vielzahl von Wegen für die berufliche Rehabilitation von Menschen mit Sehbeeinträchtigungen. Der Begriff Sehbeeinträchtigung ist dabei weit zu fassen: von visuellen Einschränkungen bis hin zu Sehbehinderung oder Blindheit.

Dies ist sinnvoll, da in der heutigen Arbeitswelt die Anforderungen an das Sehen so hoch sind, dass bereits Menschen mit Seheinschränkungen, die nicht den Status einer Behinderung haben, Einschränkungen in ihrer Arbeitsfähigkeit erleben. Entscheidend für eine berufliche Rehabilitation ist demnach nicht eine bestimmte Visus- oder Gesichtsfeldeinschränkung, sondern eine erhebliche Gefährdung oder Minderung der Erwerbsfähigkeit.

Wege der beruflichen Rehabilitation

Wichtige Ansprechpartner für die berufliche Rehabilitation sind Berufsförderungswerke, die auf Menschen mit Sehproblemen spezialisiert sind. Sie bieten zum Beispiel Beratung für Betroffene, Kostenträger und Arbeitgeber an. Um den individuellen Bedarf für eine berufliche Rehabilitation, die richtige Maßnahme und den optimalen Weg zu erkennen, ist eine Diagnostik (beispielsweise das Reha-Assessment) notwendig. Von einem augenärztlichen Befund allein lässt sich noch keine tragfähige Aussage zu beruflichen Möglichkeiten ableiten. Diese Diagnostik klärt zum Beispiel, welche Hilfsmittel zum Arbeiten notwendig sind, ob ein noch bestehender Arbeitsplatz erhalten werden kann, welche beruflichen Alternativen zur Leistungsfähigkeit, zum Sehvermögen und zur Belastbarkeit passen.

Grundsätzlich stehen folgende Wege der beruflichen Rehabilitation offen:

  • Sie haben einen Arbeitsplatz und es ist sinnvoll, ihn durch Umgestaltung, Hilfsmittel und Erlernen von Kompensationstechniken zu erhalten. Bei der Entscheidungsfindung hilft eine Hilfsmittel- oder eine Belastungserprobung.
  • Sie haben keinen Arbeitsplatz mehr, jedoch kann der Beruf mit der Sehbeeinträchtigung weiterhin ganz oder teilweise ausgeübt werden. Auch hier sind mit einer Hilfsmittel- oder Belastungserprobung die bestehenden Möglichkeiten zu klären und eine nachfolgende Integrationsmaßnahme in Betracht zu ziehen.
  • Sie können Ihre berufliche Tätigkeit nicht mehr ausüben und eine Neuorientierung ist notwendig. Unter Umständen kann dies erst eine Diagnostikmaßnahme zeigen.

Im alten Beruf bleiben

Je eher Sie eine berufliche Rehabilitation in Betracht ziehen, umso mehr Chancen eröffnen sich Ihnen. Bestehende Arbeitsplätze oder Arbeitsverhältnisse lassen sich oftmals erhalten. Zum Arbeitsplatzerhalt notwendige Schulungen können zum Teil vor Ort erfolgen und umfassen einen Zeitraum von wenigen Tagen, einigen Wochen und seltener bis zu einem Jahr.

Einen neuen Beruf erlernen

Das Erlernen eines passenden neuen Berufes erfolgt immer unter Berücksichtigung der Integrationschancen auf dem Arbeitsmarkt, der Anwendbarkeit von Hilfsmitteltechnik und des Schutzes des individuellen Sehvermögens. Das Spektrum möglicher Tätigkeiten ist vielfältig: von Berufen der physikalischen Therapie bis zu modernen Dienstleistungsberufen im Gesundheitswesen, IT- und Bürobereich oder ausgewählten handwerklichen bzw. industriellen Tätigkeiten.

Einrichtungen und Abschlüsse

Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation sind stark durch den regionalen Arbeitsmarkt bestimmt. Angestrebt werden immer anerkannte Abschlüsse, seltener kommt es zur Vergabe von hausinternen Zertifikaten. Neben zwei-jährigen Ausbildungen gibt es Fortbildungen kürzerer Dauer, falls eine komplette berufliche Neuorientierung aus privaten Gründen oder aufgrund des Lebensalters unerwünscht ist. Durch ein weitgestreutes Netz an Geschäftsstellen stehen Ihnen wohnortnahe Angebote zur Verfügung. Wie in der medizinischen Versorgung ist eine fachliche Spezialisierung nötig, um Wissen, Fachleute und Ressourcen zu bündeln. Insbesondere umfangreichere oder mit viel Hilfsmitteltechnik verbundene Leistungen können daher nur in Kompetenzzentren qualitätsgesichert angeboten werden.

Autor: A. Kunnig

Kontaktdaten zu den Berufsförderungswerken, die auf Rehabilitation bei Sehbehinderung oder Blindheit spezialisiert sind erhalten Sie im Bereich hilfreiche Links.