Selbstmanagement

Das Messen des Blutzuckers mit einem Blutzuckermessgerät ist für insulinpflichtige Diabetespatienten eine Routinehandlung. Selbst wenn das Sehvermögen verringert oder verloren gegangen ist, kann das Messen routinemäßig und selbstständig weiterhin durchgeführt werden. Man braucht nur eine etwas andere Technik.

Berührt beim Gewinnen des Bluttropfens versehentlich eine Seitenkante des Teststreifens zuerst die Kuppel des Tropfens, so zerfließt das Blut und läuft flach am Finger herunter. Selbst wenn aus dieser verteilten Blutpfütze durch hin- und her wischen noch Blut zum Anlaufen des Messvorganges gesammelt werden kann, ist dieser Wert fehlerhaft! Warum? Durch das Verlaufen des Blutes über den Finger ergibt sich eine große Kontaktfläche mit der Luft. In der kurzen Zeit des Aufsammelns oxidiert dieses Blut und der Wert ist fälschlicherweise zu hoch.

Hier zeigen wir Ihnen eine mögliche Methode, die Sie mit Ihrer Diabetesberaterin oder Ihrem Diabetologen einüben können.

Zur blinden Durchführung der Messung hält man die Testhand so vor sich, dass die Handinnenfläche oder der Handrücken in Richtung Körper zeigt. Der Finger, aus dem Blut gewonnen werden soll ist ausgestreckt und parallel zum Boden (waagerecht). Der Daumen zeigt nach oben oder unten. Idealerweise hält man die Hand frei vor der Brust. Die Einstichstelle zeigt auf jeden Fall nach unten. Man sticht also von unten nach oben (senkrecht) in die ausgewählte Fingerbeere.

Die Stechhilfe liegt von unten an der Fingerbeere des Mittelfingers der rechten Hand an.
Der Finger von dem Blut gewonnen werden soll, wird waagrecht vor dem Körper gehalten. Die Stechhilfe wird von unten an die Seite der Fingerbeere angesetzt. (Foto: DBSV/Ziebe)

Nach leichtem Melken des Fingers bildet sich ein hängender Blutstropfen, der nicht flach fließen kann. Die Testhand bleibt auch jetzt in unveränderter Position vor der Brust.

Zeige und Mittelfinger einer Hand werden waagrecht gehalten, Ringfinger und kleiner Finger sind angewinkelt. An der Unterseite des Mittelfingers hängt der Blutstropfen.
Die Hand wird so gehalten, dass der gewonnene Blutstropfen "hängt". (Foto: DBSV/Ziebbe)

Dann nimmt man mit der Seite des Testgeräts in sicherem Abstand zum Blutstropfen Kontakt mit dem Finger auf. Das Gerät wird dabei wie eine brennende Kerze gehalten. Man bewegt das Gerät senkrecht zum Finger, bis der Teststreifen Kontakt zum Finger hat. Bis sich Routine einstellt, geschieht das am besten weit entfernt vom Blutstropfen. Man führt den Teststreifen nun in Richtung Blutstropfen.

So gelangt man mit der Teststreifenöffnung sicher zum Blutstropfen, der dann wie von alleine in die Öffnung des Sensors fällt, ohne diesen vorher mit dem Gehäuse des Testgerätes abzustreifen.

Voraussetzung um den Wert zu erhalten ist ein barrierefreies Blutzuckermessgerät. Worauf es dabei ankommt erfahren Sie im Bereich Medizintechnik.

Beim hier beschriebenen Verfahren handelt es sich nur um eine Möglichkeit zum Messen des Blutzuckers als stark sehbehinderter oder blinder Mensch. Nicht jedes Blutzuckermessgerät ist mit dieser Messmethode anwendbar. Die hier zur Demonstration verwendeten Geräte dienen nur zu Ansichtszwecken. Dies ist nicht als Empfehlung für oder gegen ein Gerät zu verstehen. Der Vorgang sollte am besten zusammen mit einer erfahrenen Person, wie der Diabetesberaterin, geübt werden, bis das Verfahren zuverlässig funktioniert.