Angehörige

Angehörige sind auch Betroffene

Angehörige eines Diabetikers haben möglicherweise schon einiges an Erfahrung darin mit der Erkrankung eines geschätzten Menschen umzugehen. Sie mussten Antworten auf viele Fragen finden, was manchmal besser gelingt und manchmal immer wieder neu angegangen werden muss.

Fragen können sein: Wie kann ich dem Betroffenen helfen? Wird meine Hilfe überhaupt gewünscht? Wann muss ich unterstützen und wieviel? Wieviel Verantwortung übernehme ich für die Therapie? Welche Wünsche darf ich selbst äußern?

Ein älteres Paar geht engumschlungen im Wald spazieren.
Ein offenes Miteinander hilft, vieles gemeinsam zu meistern. (Bild: DBSV/Friese)

Kommt nun auch eine Sehbehinderung dazu, entstehen neue Herausforderungen für das Miteinander.

Wie wirkt sich die Sehbehinderung aus

Als sehender Mensch ist es oft schwer, sich vorzustellen, wie die Orientierung mit einer Sehbehinderung ist. Der hier präsentierte Simulationsfilm kann einen Eindruck ermöglichen. Bedenken Sie aber, dass jeder Mensch anders ist und dieser Film nur ein Beispiel für das Sehen mit einer diabetischen Netzhauterkrankung sein kann.

Einfache Tipps für das Leben miteinander

Es gibt einige einfache Tipps, damit ein Miteinander mit blinden und sehbehinderten Menschen gut gelingen kann. Dafür hat der DBSV eine Broschüre veröffentlicht, die auf vieles aufmerksam macht.

Einige wichtige Punkte sind im Folgenden schon zusammengefasst:

Ordnung

Ordnung hat für sehbehinderte Menschen eine besondere Bedeutung:

  • Gegenstände sollten einen festen Platz haben, denn Suchen fällt den Betroffenen schwer.
  • „Wandernde“ Gegenstände sind zudem Stolperfallen.
  • Flaschen und andere höhere Gefäße (z. B. Vasen) sollten Sie an die Wand schieben.
  • Beim Sortieren helfen Körbe, bei denen Materialien und Formen möglichst unterschiedlich sind.
  • Gewürze sollte man in ganz unterschiedlichen Gefäßen aufbewahren, um sie leichter auseinander zu halten.
  • Ein Tablett mit erhöhtem Rand kann auf dem Tisch als „sicherer Ort“ für beispielsweise Kaffeetasse und Kanne genutzt werden. Dann wird auch ein Verschütten nicht zur Katastrophe.
  • Tisch- und Ablageflächen sollten übersichtlich, Arbeitsflächen sollten frei gehalten werden.
  • Türen nicht halboffen stehen lassen und Schranktüren immer schließen – Verletzungsgefahr.
  • Keine Taschen, Pakete oder andere Hindernisse in den Weg stellen, auch nicht für kurze Zeit – speziell auf Treppen!

Goldene Regeln

Neben den oben genannten praktischen Tipps gibt es auch sogenannte „Goldene Regeln“, die Sie beachten sollten:

  • Angehörige sollten grundsätzlich alle Maßnahmen vorher mit der sehbehinderten Person besprechen und abstimmen.
  • Unterstützen Sie selbständige Aktivitäten, auch wenn manches länger dauert oder mühsam erscheint.
  • Stellen Sie nach Möglichkeit Kontakt zu anderen Betroffenen her, beispielsweise zu Selbsthilfegruppen. Der Kontakt mit anderen Sehbehinderten kann sehr hilfreich sein, um die psychischen Folgen einer Augenkrankheit zu verarbeiten.
  • Lassen Sie sich helfen! Bei den Beratungsstellen der Selbsthilfe bekommen Sie wertvolle Hinweise zu Hilfsmitteln, deren Finanzierung und weiteren Ansprüchen.
  • Achten Sie auf sich, auch Ihr Leben kann sich durch den Sehverlust eines nahen Angehörigen verändern. Holen Sie sich Unterstützung auch für sich selbst!
Ein freundliches Paar blickt zum Betrachter, beide halten jeweils eine Faust als Geste der Stärke vor sich hoch.
Die Freude an der Partnerschaft darf nicht verloren gehen. (Bild: DBSV/Friese)